die Woche in Stückchen

Montag: bewölkt

Wales ist grau, könnte man meinen, kalt und ungemütlich. Natürlich ist es das. Aber ich bin eh nicht zum Sonnenbaden hergekommen.

Dienstag: bewölkt... immernoch

Es gibt nicht viel zu sagen. Englisch-Unterricht mit ein paar Spaniern.

Mittwoch: anfangs sonnig, später Regen

Klassenfahrt nach Snowdonia. Kein Land, wie es in einem Barbie-Trickfilm vorkäme, wenngleich der Klang dies suggeriert. Man stelle sich einen Haufen Deutsche und Dänen vor, eingepfercht in einem Bus gleich einem Brutkasten. Schwitzend. Voller Hoffnung auf einen sonnigen Tag im Grünen. Dann die ernüchternde Ankunft. Erste schüchterne Regentropfen bilden eine angenehme Abkühlung nach der langen Fahrt und zerstören zugleich jegliche Hoffnung auf Fotos mit Postkartenidylle für die lieben Verwandten. Es folgt die Besichtigung einer berühmten alten Burg, deren Name mir nicht so recht im Gedächtnis bleiben will. Sie wurde errichtet von den Engländern, wie die meisten Burgen hier. Wales ist voller Burgen. Und Schafe. Doch, wie so viele ihrer Art, ist auch diese Burg nur mehr eine Ruine. Steine und Moos und überteuerte Souvenirs. Aber die Aussicht ist nett.
Es geht weiter durch Snowdonia, zu einem Berg, welcher nicht nur der größte in Wales ist, sondern, meinen Informationen zufolge, auch alles übertrifft, was das benachbarte England an Bergen zu bieten hat. Sofern er nicht gerade hinter einer dicken Nebelwand versteckt ist. Wir verweilen also an einem Ort, welcher durch seine theoretische Aussicht auf einen für Britische Verhältnisse recht großen Berg und einen als Museum getarnten Souvenirshop besticht. Aber hey, es ist kostenlos.
Die Rückfahrt im rollenden Brutkasten offenbart überraschend beeindruckende Aussichten auf Landschaften, zerklüftet und roh, ähnlich der Südküste Islands. Hier ist nichts begradigt, zu Tode betoniert durch das menschliche Bedürfnis, die Welt zu ordnen, bis alles rechtwinklig ist. Nur wenige Menschen leben hier. Mit der Natur, wie es scheint, nicht gegen sie.

Donnerstag: bewölkt

Englisch-Unterricht, diesmal ohne Spanier. Abends der erste Pub-Besuch. Der Laden heißt "The Sun", was einen herrlich ironischen Kontrast zum walisischen Wetter darstellt. Live-Musik von Senioren für Senioren, die Erinnerungen an die Olsen Bande hervorruft. Erster Kontakt mit Erdbeerbier.

Freitag: etwas wärmer, immernoch bewölkt

Zweiter Pub-Besuch. Wales wird, wie wir später am Abend erfahren, grandios von Frankreich im Rugby geschlagen. Rugby istein bisschen wie Fußball, aber irgendwie auch wieder nicht. Und, nebenbei bemerkt, betrachten die Waliser es als ihren Nationalsport. Das Erdbeerbier wird scheinbar mit jedem Glas teurer und die Gäste zunehmend skurriler. Live-Musik liefert diesmal eine Kombo mittvierziger Herren, deren Alkoholpegel schon vor Beginn für ausreichend Momente motorischer Verfehlungen sorgt.

Samstag: bewölkt, Abends sonnig

Ausflug deutscher Invasoren nach Liverpool, Stadt der Kultur, wie mir mein Gastvater mit leicht ironischem Unterton vermittelt. Ja, die Beatles kamen aus Liverpool. Das ist ein Weile her. Eine ganze Weile. Was nichts daran ändert, dass man mit ihren niemals alternden Visagen so ziemlich alles verkaufen kann. Wirklich alles!
Liverpool hat eine ganze Menge Geschäfte und natürlich die berühmten Albert Docks. Ich weiß zwar nicht genau, wofür sie so berühmt sind, aber das macht ja nichts. Dank ausgiebiger Inspektion der Shoppingmeile, ist natürlich keine Zeit mehr für profane Aktivitäten, wie etwa einen Besuch der Tate-Gallery, welche tatsächlich ein Ableger der gleichnamigen Londoner Galerie ist. Man muss halt Prioritäten setzen. 
2008 war Liverpool übrigens die Kulturhauptstadt Europas, womit man anscheinend auch ein Jahr später noch gut werben kann.
Durchaus keine allzu unattraktive Stadt, die eine zweite Chance verdient hat.

Sonntag: sonnig... ja sonnig

Sonntag ist Ruhetag. Gelegenheit, zu entspannen und über die vergangene Woche zu reflektieren. Wo ginge das besser, als auf dem Gipfel eines zuvor mühselig erklommenen Berges? Bergsteigen ist großartig. Wenn man Masochist ist. Auf besagtem Gipfel befindet sich, wer hätte es gedacht, eine alte Burgruine. Schön anzusehen. Schöne Aussicht auf die Stadt. Alles schön. Vor allem das auf einmal viel komfortabler erscheinende Bett am Abend.

2 comments:

...so... you were in a pub, and the music there reminded you of Olsen Banden?? Or is my german too rusty..

March 9, 2009 at 10:49 PM  

Yeah, you are right. Olsen Banden is from Denmark, isn't it?

March 11, 2009 at 9:13 PM  

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